
ChatGPT Ads sind jetzt in Deutschland buchbar – lohnt sich das für Optiker?
Im Juli haben wir an dieser Stelle geschrieben, dass sich ChatGPT-Werbung für lokale Betriebe noch nicht lohnt. Der Hauptgrund damals: Man konnte nicht auf eine Region eingrenzen. Wer als Optiker in Mainz geworben hätte, hätte für Klicks aus ganz Deutschland bezahlt.
Das hat sich geändert. Seit dem 24. August läuft ChatGPT Ads in Deutschland, seit dem 31. August kann jedes Unternehmen selbst über den Ads Manager buchen. Und OpenAI hat genau die Funktion nachgeliefert, die vorher gefehlt hat: Geo-Targeting.
Was jetzt möglich ist
Neben der räumlichen Eingrenzung sind seit dem Sommer drei weitere Dinge dazugekommen, die den Kanal für kleinere Werbetreibende überhaupt erst nutzbar machen:
- Conversion-Optimierung – vorher konnte man nur auf Impressionen oder Klicks bieten. Jetzt lässt sich auf tatsächliche Geschäftsergebnisse optimieren.
- Custom Audiences – eigene Zielgruppen statt reiner Kontextzuordnung.
- OpenAI Pixel und Conversions API – Messung über den Klick hinaus, vergleichbar mit dem, was man von Google und Meta kennt.
Damit ist aus einem experimentellen Testfeld innerhalb eines halben Jahres eine funktionsfähige Werbeplattform geworden. Die Zahlen dazu: eine Milliarde US-Dollar annualisierte Umsatzrate in weniger als 200 Tagen, zehntausende Werbetreibende.
Zur Einordnung der Reichweite: Anzeigen erscheinen ausschließlich bei Nutzern der kostenlosen und der günstigen Go-Variante. Wer Plus, Pro oder Enterprise bezahlt, sieht keine Werbung. Ein Teil der zahlungskräftigeren Zielgruppe ist über diesen Kanal also gar nicht erreichbar.
Der Haken: die Klickpreise
Aus den bisherigen Märkten berichten Werbetreibende von Einstiegsgeboten um drei bis fünf US-Dollar pro Klick. Das ist deutlich mehr als das, was ein Optiker in Mainz aktuell bei Google Ads für einen lokalen Suchbegriff zahlt.
Rechnet man das durch, wird das Problem sichtbar: Bei einem CPC von vier Euro und einer Conversion-Rate von fünf Prozent – realistisch für einen neuen, ungetesteten Kanal – landet man bei 80 Euro pro Anfrage. Bei einem Kundenlebenszeitwert im vierstelligen Bereich rechnet sich das theoretisch immer noch. Aber es rechnet sich schlechter als der bestehende Kanal, der dieselbe Anfrage für 25 Euro liefert.
Wo der Kanal trotzdem Sinn ergibt
Die Frage ist nicht, ob ChatGPT Ads funktionieren, sondern wofür. Google Ads fängt Menschen ab, die bereits wissen, was sie wollen – jemand sucht „Gleitsichtbrille Mainz“, weil die Entscheidung im Grunde gefallen ist.
ChatGPT wird anders genutzt. Dort beschreibt jemand eine Situation: „Ich arbeite acht Stunden am Bildschirm und bekomme abends Kopfschmerzen, brauche ich eine spezielle Brille?“ Das ist eine völlig andere Phase – weiter vorne, unentschiedener, aber auch offener für Beratung.
Für beratungsintensive Angebote ist genau das interessant. Ein Optiker, der sich über Bildschirmarbeitsplatzbrillen oder Myopie-Management bei Kindern positioniert, trifft dort auf Menschen, die noch nicht wissen, dass es eine Lösung für ihr Problem gibt. Bei Google würden diese Menschen gar nicht erst suchen.
Die ehrliche Empfehlung
Für einen lokalen Betrieb, der aktuell noch kein sauber laufendes Google-Ads-Konto hat, ist ChatGPT Ads der falsche Startpunkt. Der bestehende Kanal liefert günstigere Anfragen bei besserer Messbarkeit – dort zuerst aufzuräumen bringt mehr.
Interessant wird es für Betriebe, bei denen zwei Dinge zutreffen: Das Google-Ads-Konto läuft stabil und ist ausgereizt, und das Angebot ist erklärungsbedürftig genug, dass Kunden darüber tatsächlich recherchieren. Dann lohnt ein Testbudget – nicht um sofort Umsatz zu machen, sondern um zu lernen, wie sich der Kanal verhält, bevor die Preise mit wachsender Konkurrenz steigen.
Was vorher stimmen muss
Unabhängig vom Kanal gilt dieselbe Grundregel: Ein neuer Werbekanal verstärkt nur, was ohnehin da ist. Wer Anfragen über Google schon nicht zuverlässig beantwortet, verliert sie über ChatGPT genauso – nur teurer, weil der Klick dort mehr gekostet hat.
Bevor also ein zusätzlicher Kanal dazukommt, lohnt der Blick auf die Grundlagen: Kommt jede Anfrage an? Bekommt jeder Interessent eine Rückmeldung, auch wenn gerade Kundenverkehr im Laden ist? Wird gemessen, was tatsächlich zu einem Termin führt?
Ist dein bestehender Kanal überhaupt ausgereizt?
Wir schauen uns an, was dein Google-Ads-Konto aktuell leistet – und ob sich ein zweiter Kanal für dich schon lohnt.
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